Sorgende Kultur – eine Annäherung

Menschen mit Demenz wollen trotz ihrer vielfältigen Herausforderungen im Alltag ein «gutes Leben»

führen. Eine zentrale Dimension des guten Lebens ist die Aufrechterhaltung von sozialen

Beziehungen und das Gefühl des Gebrauchtwerdens (Brandenburg und Güther 2013). Denn auch

demenzbetroffene Menschen haben ein Bedürfnis nach Beziehung, blühen auf, wenn sie sich in die

Gemeinschaft eingebunden fühlen und in ihrer Einzigartigkeit Wertschätzung erfahren. Doch: Wer

pflegebedürftig ist, hat Angst, nur noch zur Last zu fallen. Menschen mit Demenz empfinden oft

Scham, ziehen sich zurück. Eine grosse Herausforderung unserer Gesellschaft ist es deshalb,

hilfebedürftigen Menschen Aufmerksamkeit und einen Platz einzuräumen. Auch Menschen mit

Demenz haben neben ihrem Recht auf «Weltferne», auf den Rückzug in innere Welten, auch das

Recht auf Teilhabe und Zugehörigkeit (Klie 2014).

 

Im Füreinander-Sorgen liegt die Grundlage für menschliche Beziehungen, für Solidarität und

psychische Gesundheit. Menschen möchten auf positive Weise für einen anderen bedeutsam sein

(Klie 2014). Die sozialen Entwicklungen unserer Gesellschaft zeigen aber in eine andere Richtung: Die

ökonomische «Immer mehr und immer schneller»- Maxime, das in alle Lebensbereiche greifende

Leistungs- und Konkurrenzdenken, Flüchtigkeit, Anonymität und eine «digitale Unverbindlichkeit»

(Klie 2013) lassen Werte des sozialen Miteinanders und des Umsorgens des Anderen zunehmend

schwinden. Eine auf Leistung orientierte Gesellschaft macht uns die Sorge um verletzliche Menschen

nicht einfach (Klie 2014).

 

Erschwerend kommt dazu, dass alte Menschen und Demenzbetroffene in der Gesellschaft oft negativ

wahrgenommen, ausgegrenzt und stigmatisiert werden (Klie 2014). Wir alle können einen wichtigen

Beitrag dazu leisten, dass sich die negativen und einseitigen Bilder von alten und demenzbetroffenen

Menschen in der Gesellschaft ändern, wir differenzierter über das Alter und Demenz sprechen. Klie

(2014) plädiert dafür, die Idee und die Wirklichkeit des Alters als menschenfreundliche Aufgabe des

beginnenden dritten Jahrtausends zu begreifen.

Laden Sie hier den vollständigen Artikel herunter.

Download
Zentrum Schönberg
05_GRUNDLAGEN_Sorgekultur 26052015.pdf
Adobe Acrobat Dokument 97.0 KB

<< zurück