Sorgekulturen in Gemeinschaften: betreuende Angehörige im Fokus

Privatwirtschaftliche, gemeinnützige und öffentliche Institutionen sowie Personen aus dem

familiären Umfeld gehören zum Unterstützungssystem, wenn Menschen infolge Krankheit

oder Alter auf Hilfe angewiesen sind. Das Porträt zeigt auf, wie aus diesen Elementen eine

sozialräumlich orientierte Sorgekultur entstehen kann.

 

Die Gemeinde Bassersdorf hat eine neue Altersstrategie erarbeitet, in der betreuende Angehörige

besonders im Fokus stehen. Mit einer Bevölkerungsumfrage wurde ermittelt, wie betreuende Angehörige in ihrem Engagement entlastet werden können. Das Projektteam BasiviA (Bassersdorf vernetzt im Alter) hat aus den Ergebnissen diverse Massnahmen abgeleitet. Im Frühjahr 2017 entschied

der Gemeinderat, welche dieser Massnahmen umgesetzt werden sollen. Mittlerweile besteht ein

Netz an Unterstützungsangeboten: der Kurs «Impulse für den Betreuungsalltag», ein jährliches Treffen

am Tag der betreuenden und pflegenden Angehörigen (30. Oktober) und eine regelmässige Gesprächsgruppe zum Austausch mit Gleichbetroffenen. In Planung ist zudem ein Besuchsdienst durch

Freiwillige, der betreuende Angehörige stundenweise entlastet.

 

Eine Vielfalt an Begriffen und Konzepten

In Bassersdorf entsteht eine neue Sorgekultur. Eine allgemein gültige Definition für dieses Konzept

gibt es nicht – weder in der Wissenschaft noch in der Praxis. Auch keinen einheitlich genutzten

Begriff. Caring Community, sorgende Gemeinschaft, bedürfnisorientiertes Unterstützungssystem –

welcher Name wird dem komplexen sozialen «Sorge-Geäst» gerecht?

Barbara Steffen leitet das Wissenszentrum, das Teil des Zentrums Schönberg ist und für den Kanton

Bern innovative Praxisentwicklungs- und Forschungsprojekte im Bereich Demenz und Palliative Care

betreut. Im Auftrag der Gesundheits- und Fürsorgedirektion Bern hat sie sich intensiv mit Sorgekulturen

befasst und das umfassende Konzept «Doing Caring Communities – auf dem Weg zu sorgenden

Gemeinschaften» erstellt. Sie ist hin- und hergerissen, welcher Begriff das Konzept besser trifft:

«Wir sprechen von sorgenden Gemeinschaften. Aber wir merken, dass der deutsche Begriff missverständlichsein kann. Er gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen.» Denn der Begriff der Sorge

ist nicht nur positiv konnotiert.

 

Seit fast zwanzig Jahren beschäftigt sich Christoph Steinebach, Professor für Angewandte Entwicklungspsychologie an der ZHAW, mit dem Thema. «Sorge im Sinne der Fürsorge hat etwas Hierarchisches: Ich bin stark und gut und sorge mich um dich. Und du bist schwach.» Auch er verbindet mit dem deutschen Begriff deshalb gewisse Schwierigkeiten und bevorzugt die englische Alternative.

Diese wird zudem in allen Sprachregionen verstanden.

 

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