Merkmale Sorgende Gemeinschaften

Eine «Sorgende Gemeinschaft» entsteht durch die sozialraumorientierte Entwicklung von «Sorge-Strukturen» und -Angeboten. Es handelt sich um ein gemeinschaftliches Sorgemodell, hinter dem die Einsicht steht, dass der Sorge-Bedarf nicht allein durch professionelle Institutionen gedeckt werden kann, sondern durch das Zusammenwirken von Familien, Nachbarschaften, professionellen Dienstleistern, bürgerschaftlichem Engagement und staatlichen Institutionen. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Wohlergehen von Menschen mit Unterstützungsbedarf das Ergebnis einer Zusammenarbeit unterschiedlicher Systeme ist, welches sich sowohl auf der individuellen als auch auf der lokalen Ebene, immer wieder entsprechend dem Bedarf, neu mischt.

 

«Sorgende Gemeinschaften» können lokal je nach Bedarf und Priorität verschiedene, über die gesamte Lebensspanne dauernde Themen zum Ausgangspunkt nehmen: Alter, Sterben, chronische Krankheiten, Demenz, Behinderung, Migration, Kinder, alleinerziehende Elternteile etc. Weiter ist auch denkbar, dass Sorgende Gemeinschaften auch Nachhaltigkeit und den Erhalt der natürlichen Umwelt in ihren Aktivitäten berücksichtigen.

 

Im Verständnis «Sorgender Gemeinschaften» bedeutet «Gemeinschaft» mehr als die Gemeinde als Verwaltungseinheit. Eine Gemeinschaft zeichnet sich aus durch ein «Wir-Gefühl», durch einen gemeinsamen Sinn- und Wertehorizont, eine Beziehungskultur und ist verbunden mit Verantwortungsübernahme.

 

Bedeutsam für die Entwicklung «Sorgender Gemeinschaften» scheinen bestimmte Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu sein. Um diese im Hinblick auf eine erfolgreiche Entwicklung zu überprüfen und aktiv einzusetzen, werden diese im Folgenden in Form von Merkmalen dargestellt. Die Merkmale stehen für eine Entwicklungsrichtung und sind nicht abschliessend aufgeführt. Sie dienen als Orientierung und als Instrument zur Selbstreflexion und –evaluation für die eigene Institution/den eigenen Herkunftsbereich.

 

Politik, Behörden und Verwaltung

  • Die Gemeinde unterschreibt die Charta der Sorgenden Gemeinschaften
  • Die Gemeinde/Region hält die Förderung von Sorgenden Gemeinschaften in regionalen oder kommunalen Leitbildern, Legislaturzielen etc. fest
  • Personelle und finanzielle Ressourcen der Gemeinde für die Förderung von Sorgenden Gemeinschaften stehen zur Verfügung
  • Interne Sensibilisierungsanstrengungen und Schulungen der Angestellten/des Personales haben stattgefunden bzw. sind geplant
  • Die Gemeinde kommuniziert aktiv über die Ziele und Prinzipien sowie über positive Beispiele von Sorgenden Gemeinschaften
  • Die Gemeinde hat ein fortschrittliches Personalreglement, welches es Mitarbeitenden ermöglicht, allfällige Sorgepflichten möglichst weitgehend nachkommen zu können
  • Die Gemeinde unterstützt eine Analyse der Bedürfnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen und des Angebots und hilft, die Angebote bekannt zu machen und allfällige Lücken zu füllen
  • Die Gemeinde unterstützt die Netzwerkbildung zwischen den Akteuren von Sorgenden Gemeinschaften und unterstützt den Austausch und die Zusammenarbeit unter Akteuren
  • Eine kommunale Anlaufstelle für die Bevölkerung und für Institutionen zum Zweck der Information, Kontaktnahme, zur Unterstützung der Vernetzung und Koordination ist vorhanden/wird unterstützt/ist geplant
  • Die Gemeinde fördert aktiv die sozialräumliche Entwicklung durch Gemeinwesen- und Quartierarbeit. Sie schafft Räume und Orte, an denen Menschen einander begegnen können und fördert Beteiligungsverfahren in sozialen Gestaltungsprozessen.
  • Die Gemeinde fördert die Nachbarschaftshilfe, Freiwilligenarbeit, selbstorganisierte Gruppen und zivilgesellschaftliches Engagement Einzelner
  • Die Gemeinde fördert bewusst und aktiv räumliche Strukturen, welche die physische Nutzung des öffentlichen Raums von Personen mit Einschränkungen vereinfacht und deren soziale Integration stärkt
  • Die Gemeinde fördert Wohnformen, welche die soziale Integration erleichtern und Isolation vermindern
  • Die Gemeinde vernetzt sich - neben Dienstleistern des Sozial- und Gesundheitswesens – mit verschiedenen anderen Sektoren der Gesellschaft, z.B. Wirtschaft, Umwelt, Kultur etc.

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